mitgehn – Gemeinsam gegen Barrieren und Beschämung

Foto: Nell Leidinger

„Für mich war die Rolle der Begleitung immer das Dabeisein. Dieses ‚Ich gehe mit dir, ich bin neben dir,
ich bin deine Kraft
von nebenan und ich verstehe dich, wenn du überfordert bist‘. Denn Erfahrung von Überforderung,
Schlechtbehandlung und
die Ohnmacht, die dadurch entsteht, die kennen wir alle.“

Menschen in prekären Lebenslagen erleben oftmals Situationen, in denen sie sich abwertend und ungerecht behandelt fühlen. Termine auf Ämtern und Behörden, aber auch bei Ärzt:innen, in Krankenhäusern oder bei Gutachter:innen können ein Gefühl der Beschämung auslösen, das nicht spurlos an den Betroffenen vorübergeht. Diese Erfahrungen führen zu Stress und gesundheitlichen Belastungen. Viele Menschen, die zum Beispiel durch Arbeitslosigkeit, Armut oder eine sichtbare Behinderung benachteiligt sind, machen häufige und andauernde Beschämungserfahrungen.

Erfahrungen zeigen, dass es für alle Seiten positive Auswirkungen haben kann, wenn Menschen in schwierigen Lebenslagen bei derartigen „Gängen“ begleitet werden. Eine Begleitperson wirkt oft deeskalierend und gibt der begleiteten Person ein Gefühl der Sicherheit. Viele Betroffene haben aber nicht die Möglichkeit, bei sozialen Einrichtungen oder Peers eine Begleitung anzufragen. Darüber hinaus führen prekäre Lebenslagen häufig zur sozialen Isolation, wodurch es auch an Freund:innen oder Bekannten fehlt, die man diesbezüglich um Unterstützung bitten könnte.

Gemeinsam mit der Armutskonferenz starteten wir deshalb das Projekt mitgehn, bei dem Freiwillige zu Ämtern, Behörden, Terminen bei Gesundheitseinrichtungen, Schulen, Vermieter:innen, Arbeitgeber:innen, Banken, Versicherungen, sozialen Einrichtungen und vielem mehr begleiten.

AngebotAblaufZielgruppeSchulungstermineDownloadbereich

Freiwillige werden mittels einer zielgerichteten Einschulung, die mit Betroffenen erarbeitet und umgesetzt wird, auf die Begleitungen vorbereitet und können ihre Mitgehtermine individuell auswählen.

Für die Begleitungen erhalten die Freiwilligen einen Ausweis, auf dem die Kurzinfo zum Projekt, die rechtlichen Grundlagen sowie die Kontaktdaten des ULF angeführt sind. Den Ausweis können sie bei Bedarf bei Terminen vorweisen und ihre Anwesenheit legitimieren. Bei eventuellen Rückfragen kann auch das ULF gerne von Ansprechpartner:innen vor Ort kontaktiert werden.

Im Anschluss werden die Freiwilligen mittels einer App über mögliche Begleittermine verständigt und können sich direkt über die App anmelden, wenn sie einen Termin übernehmen.

  1. Betroffene geben dem ULF telefonisch oder per E-Mail ihren Mitgeh-Wunsch bekannt: Termin, Dauer, Zweck, Treffpunkt, Kontaktdaten für Rückfragen
  2. Das ULF schreibt den Termin, Ort, Treffpunkt und Zweck über die App an alle Freiwilligen aus, die für den jeweiligen Begleitbereich eine Einschulung absolviert haben.
  3. Ein:e Freiwillige:r meldet sich über die App für die Begleitung des Termins an.
  4. Das ULF bestätigt der:m Freiwilligen und Betroffenen den Termin und Treffpunkt.
  5. Freiwillige und Betroffene treffen sich maximal 1 Stunde vor dem Termin an einem konsumfreien Ort. Betroffene haben so die Möglichkeit, den Freiwilligen zu schildern, was ihnen bei deren Begleitung besonders wichtig ist und in welcher Form sie sich Unterstützung während des Termins erwarten. Auch die Freiwilligen können anhand einer vom ULF zur Verfügung gestellten Checkliste Fragen stellen.
  6. Gemeinsam geht’s zum Termin.
  7. Im Anschluss wird das Gespräch noch kurz gemeinsam reflektiert.

Bei mitgehn melden sich Freiwillige je nach Termin, Treffpunkt und Zweck bei ULF an, das heißt, bei mehreren Terminen können Betroffene von unterschiedlichen Freiwilligen begleitet werden.

mitgehn unterstützt Menschen, die von Armut bedroht oder betroffen sind, Menschen mit Beeinträchtigungen, psychischen oder chronischen Erkrankungen sowie Alleinerziehende unabhängig von Geschlecht, Alter, Sexualität oder Herkunftsland.

Die Betroffenen müssen ihren Begleitwunsch selbst telefonisch oder per E-Mail beim ULF bekanntgeben und für Rückfragen telefonisch zur Verfügung stehen. Terminanmeldungen von sozialen Einrichtungen, Angehörigen oder sonstigen Dritten werden nicht angenommen. Eine Garantie auf Begleitung von mitgehn besteht nicht. Je früher ein Termin bekanntgegeben wird, desto eher besteht die Möglichkeit auf eine Begleitung.

Die Freiwilligen sind mindestens 21 Jahre alt, sprechen gut Deutsch und verpflichten sich zur Begleitung von mindestens 8 Terminen pro Jahr. Da eine klare Abgrenzung zu hauptamtlichen Tätigkeiten besteht, sind keine bestimmten Vorerkenntnisse erforderlich.

Freiwillige werden mittels einer zielgerichteten Einschulung, die mit Betroffenen erarbeitet und umgesetzt wird, auf die Begleitungen vorbereitet und können ihre Mitgehtermine individuell auswählen. Derzeit werden folgende Schulungstermine für Freiwillige angeboten:

Die Schulungen finden unter Einhaltung der geltenden COVID-Verordnungen im Seminarraum des Unabhängigen LandesFreiwilligenzentrums statt: Martin-Luther-Platz 3 / 3. Stock, 4020 Linz

Deine Ansprechperson im ULF.

Lisa ist für den Aufbau und die Umsetzung des Projekts mitgehn verantwortlich. mitgehn ist ein Freiwilligenprojekt, bei dem Menschen in prekären Lebenssituationen zu Ämtern, Behörden, Terminen bei Gesundheitseinrichtungen, sozialen Einrichtungen, … begleitet werden. Weiters unterstützt Lisa bei der Freiwilligen-App.

Du erreichst sie unter +43 664 240 91 93 oder lisa.himmelsbach@dieziwi.at.

Lisa Himmelsbach
Ansprechpartnerin für mitgehn und die Freiwilligen-App

 


 

Das Projekt mitgehn – Gemeinsam gegen Barrieren und Beschämung wird aus Mitteln des Sozialministeriums und des Fonds Gesundes Österreich gefördert.

 

mitgehn ist eine Kooperation des Unabhängigen LandesFreiwilligenzentrums, der Armutskonferenz und der Plattform Gemeinsam gegen Armut und Ausgrenzung.