ULF Unabhängiges LandesFreiwilligenzentrum

 

 

Definition Freiwilligenarbeit:

Freiwilligenarbeit hat heute viele Namen – Ehrenamt, freiwilliges oder bürgerschaftliches Engagement, freiwillige Mitarbeit sind nur einige davon. In der fachlichen Auseinandersetzung gibt es verschiedene Definitionen für Freiwilligenarbeit. Freiwilligenarbeit als „eine Leistung, die freiwillig und ohne Bezahlung für Personen außerhalb des eigenen Haushaltes erbracht wird“, ist eine Definition, die auch in der Studie „Struktur und Volumen der Freiwilligenarbeit in Österreich“ (Statistik Austria, 2007) zur Anwendung kommt.

„Freiwillig“ meint dabei ohne gesetzliche Verpflichtung – aus freiem Willen. Freiwilligenarbeit ist deshalb von anderen unbezahlten Tätigkeiten (z.B. Zivildienst) zu unterscheiden.

„Unbezahlt“ bedeutet, dass diese Leistung ohne Entgelt erbracht wird. Ausgenommen sind davon aber Aufwandsentschädigungen (z.B. Telefonkosten, Reisekosten, Porto).

„Außerhalb des eigenen Haushalts“ heißt, dass die Leistung zum Nutzen des Gemeinwesens bzw. anderer haushaltsfremder Personen erbracht wird. Demnach sind Haus- und Familienarbeit und die bloße Mitgliedschaft in einem Verein nicht einzubeziehen.

Eine weitere Unterscheidung wird in „formelle“ und „informelle“ Freiwilligenarbeit getroffen. Formelle Freiwilligenarbeit meint das Engagement im Rahmen einer Organisation oder eines Vereins. Informelle Freiwilligenarbeit hingegen erfolgt ohne institutionellen Rahmen und wird oft als „Nachbarschaftshilfe“ bezeichnet.

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Rahmenbedingungen für die Arbeit mit Freiwilligen:

Menschen, die sich freiwillig – formell oder informell – im Sozialbereich engagieren, stellen ihre Zeit und ihr Können unentgeltlich zur Verfügung. Dieses Engagement ist zwar kostenlos, keineswegs aber selbstverständlich. Viele Organisationen profitieren von dem Engagement zahlreicher Freiwilliger und ihr Einsatz ist von unschätzbarem Wert für die Gesellschaft.

Um freiwilliges Engagement zu fördern, neue Freiwillige zu gewinnen und freiwillige MitarbeiterInnen über einen längeren Zeitraum in eine Organisation einzubinden, bedarf es guter Rahmenbedingungen. Auch wenn Freiwilligenarbeit nicht den Kriterien eines „normalen“ Arbeitsverhältnisses entspricht, sind dennoch gewisse Richtlinien erforderlich, um das Gelingen und die Qualität der Zusammenarbeit sicher zu stellen.

Die im folgenden Abschnitt angeführten Rahmenbedingungen bzw. Qualitätskriterien wurden weitgehend von der Interessensgemeinschaft Freiwilligenzentren Österreich (IGFÖ) übernommen. Diese Rahmenbedingungen können den Organisationen als Unterstützung und Anregung dienen, um die Tätigkeitsbereiche der Freiwilligen attraktiv und effizient zu gestalten:

Attraktivität des Aufgabenbereiches

Um Menschen zu finden, die ihre Zeit und ihre Fähigkeiten kostenlos zur Verfügung stellen, bedarf es einiger Überzeugungsarbeit. Die Angebote müssen die Bedürfnisse der Freiwilligen ansprechen und ihnen anstatt eines materiellen Lohnes, ideellen Gewinn versprechen. Die wenigsten Freiwilligen bieten ihre Dienste aus Pflichtgefühl an. Viele von ihnen möchten vielmehr neue Erfahrungen machen, Verantwortung übernehmen und aktiv an der Organisationsentwicklung teilnehmen. Eine attraktive Aufgabengestaltung, die auch Spaß machen kann und deren Sinn klar erkennbar ist, sollte deshalb beachtet werden.

Genaue Aufgabenbeschreibung

Eine wichtige Voraussetzung für eine erfolgreiche Zusammenarbeit mit Freiwilligen sind transparente Organisationsstrukturen und die genaue Festlegung der zu erfüllenden Aufgaben inklusive der Festlegung der Kompetenzen. Es ist sinnvoll, fixe Arbeitszeiten festzulegen und diese entsprechend zu dokumentieren. Eine genaue Arbeitsbeschreibung schützt beide Seiten vor Missverständnissen und Überforderung und wirkt einer Unklarheit über die eigenen Aufgaben entgegen.

Einarbeitung und Probezeit

Ein guter Einstieg in die freiwillige Tätigkeit wird durch eine Einarbeitungsphase unterstützt. Freiwillige können sich so unverbindlich Arbeitsbereiche ansehen und feststellen, ob diese ihren Vorstellungen und Fähigkeiten entsprechen. Es ist sinnvoll, zu Beginn der Arbeit eine Probezeit zu vereinbaren, nach deren Ablauf beide Seiten entscheiden können, ob sie miteinander weiterarbeiten möchten.

Begleitung

Um bei Problemen nicht allein dazustehen, benötigen die Freiwilligen eine feste Ansprechperson, die mit allen Belangen der Freiwilligenarbeit in der Organisation vertraut ist. Neben dieser Begleitung sollten regelmäßige Gespräche mit anderen Freiwilligen angeboten werden. Wenn die Möglichkeit vorhanden ist, sollte den Freiwilligen in bestimmten Einsatzgebieten bei Bedarf auch Supervision angeboten werden.

Verantwortung und Mitbestimmung

Schon zu Beginn sollte besprochen werden, welchen Verantwortungsgrad die Freiwilligen übernehmen können, inwieweit sie selbst Entscheidungen treffen möchten und dürfen. Außerdem sollten auch die Möglichkeit der Mitbestimmung und der Umsetzung eigener Vorstellungen geregelt werden.

Kostenerstattung

Damit den Freiwilligen ihr unentgeltliches Engagement nicht noch etwas kostet, sollte sichergestellt werden, dass die zur Erledigung der Arbeit notwendigen Kosten (Material-, Fahrt- und Portokosten etc.) von der Organisation übernommen werden.

Versicherung

Um die Organisation und die Freiwilligen zu schützen, sollte auf ausreichenden Versicherungsschutz geachtet werden. Eine Haftpflichtversicherung der Organisation sollte auch für alle Schäden aufkommen, die durch Freiwillige während der Arbeitszeit entstehen. Es empfiehlt sich außerdem eine Unfallversicherung für die Freiwilligen abzuschließen.

Weiterbildung

Um qualitative Standards einer Einrichtung (auch im Vergleich mit anderen) zu halten und zu verbessern, ist die Weiterbildung der MitarbeiterInnen unumgänglich. Dies gilt selbstverständlich auch für die Freiwilligen. Zudem tragen Fortbildungsangebote auch für Freiwillige dazu bei, dass diese sich als MitarbeiterInnen ernstgenommen fühlen.

Ausstieg

Eine Besonderheit einer freiwilligen Tätigkeit ist, dass sie jederzeit beendet werden kann. Gleich zu Beginn sollte dennoch ein „Aussteigemodus“ vereinbart werden, der einen gleitenden und reibungslosen Ausstieg ermöglicht.

Nachweis

Freiwillige Tätigkeiten können bei zukünftigen Bewerbungen udgl. von großem Nutzen sein. Den Freiwilligen sollte deshalb ein Nachweis über die erbrachte Arbeitszeit, die Art der Tätigkeit und über besuchte Fortbildungen ausgestellt werden.

Anerkennung

Die unentgeltlichen Dienste der Freiwilligen sollen nicht nur stillschweigend als Geschenk entgegen genommen werden. Die Anerkennung soll auch gezeigt werden. Dies sollte nicht nur auf eine jährliche „Dankeschön“ – Veranstaltung beschränkt sein, sondern im täglichen Umgang miteinander deutlich werden.

Pflichten der Freiwilligen

Neben den genannten Rechten der freiwilligen MitarbeiterInnen, die von den Rahmenbedingungen abgeleitet werden können, gibt es auch „Pflichten“, die klar geregelt sein müssen. Es kann sich als sinnvoll erweisen, diese Rechte und Pflichten mittels einer Einsatzvereinbarung schriftlich festzuhalten. Freiwillige MitarbeiterInnen verpflichten sich ebenso wie bezahlte MitarbeiterInnen zur Verschwiegenheit, welche alle Informationen, die sie im Rahmen der freiwilligen Tätigkeit erfahren, umfasst. Darüber hinaus verpflichten sie sich, im Interesse der Organisation mit der nötigen Sorgfalt zu handeln und die vereinbarten Abmachungen einzuhalten.

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